Angewandte Landschaftsökologie Wagner & Wagner Kartierungsprojekt
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Hinweise zur Umsetzung

Teils steht keine Zeit und kein Personal für die Erarbeitung von Umsetzungskonzepten zur Verfügung. Daher einige Hinweise, was auf jeden Fall zu beachten ist und was vermieden werden sollte.


1. Keine intakten Torfkörper angraben

Auch in nur schwach geneigtem Gelände senken Abgrabungen den Moorwasserspiegel ab. Das heißt, die Entwässerung wirkt weiter mooreinwärts.

Da in der Regel kein geländegleicher Anstau möglich ist, können sich vor allem bei Großbauwerken Anhebung und Absenkung des für die Moorbildung wirksamen Wasserspiegels die Waage halten, oder der Auswirkungsbereich wird sogar vergrößert.

Daher sollte auch die zur Verfügung stehende Torfmenge in die Bemessung des Stauziels einfließen. In Torfstichgebieten bieten sich nicht mehr vernässbare Torfrücken für die Entnahme an.

Bei kleinen und mittleren Bauwerken ist der Torf aus dem Grabenprofil zu entnehmen.



Torfentnahme aus mittelgroßem Grabenprofil

Damit verringert sich im Vergleich zu seitlichen Torfentnahmen auch die Unfallgefahr, da Gräben lange Zeit im Gelände erkennbar bleiben.


2. Staubauwerke möglichst eng staffeln

Bei geneigtem Gelände kann der Wasserspiegel durch eine enge Staffelung stärker angehoben werden. Auswirkungen von Undichtigkeiten, Erosion oder Sabotage werden damit eher abgefangen.

Wenn möglich, besser mehrere kleine Bauwerke als wenige Großbauwerke.


3. Potentielles Stauziel abschätzen

Um zu vermeiden, dass Dämme überdimensioniert werden oder "trocken stehen", sind Randbedingungen wie Nebengräben, unterirdische Abflussbahnen, Torfzersetzungsgrad oder Wasserandrang zu beachten.


Dies gilt vor allem für Bereiche mit kleinem Wassereinzugsgebiet oder für Moorränder, an denen nur geringe Wassermengen anströmen (evtl. Probestau).

Teilweise, z. B. bei flächiger Abtorfung kann eine Beschränkung auf Sohlvernässung mit flachem Überstau zielführend sein. Hiermit werden mooruntypische Wasserflächen vermieden und die Torfbildung beschleunigt. Ggf. stufenweise weiteres Anheben des Wasserspiegels.


Stauziel Sohlvernässung


4. Engstellen nutzen

In kleinparzellierten Torfstichgebieten kann an Engstellen oft mit kleineren Staumaßnahmen eine großflächige Wirkung erzielt werden.

Durch ein Bauwerk flach angestauter Torfstich



5. Undichtigkeiten und Erosion vermeiden

Kleine Torfbauwerke in Grabenrichtung möglichst lang bauen und Torf gut verdichten. Quer zur Grabenrichtung weit und hoch ins Gelände einbinden, um breitflächigen Abfluss über gewachsenen Torf zu erreichen. Hier müssen wegen des Torfbedarfs Kompromisse eingegangen werden.

Großbauwerke mit senkrechten Holzkonstruktionen gegen Wasseradern sichern. Sonst Gefahr von Torfausschwemmung und Dammbruch.


6. Wasserqualität beachten

An eutrophen Gräben ggf. Vorklärbecken anlegen oder eutrophe Torfstiche nutzen.

Nährstoffgefälle zwischen Graben und zu vernässenden Flächen beachten!

Auch dystrophes Wasser kann bei Anstau eutrophieren. Dies ist vor allem bei großflächigerem Einstau zu berücksichtigen.

Hier führt ein Einstau
zwangsläufig zur Eutrophierung.


Zur Vermeidung von Nährstoffeinträgen aus Wirtschaftsflächen sind teils umfassende Massnahmen nötig, wie z. B. Rückführung von Acker in Grünland, Grünlandextensivierung, Anlage von Verrieselungsflächen, Sedimentationsbecken oder Reinigungsteichen. Zur Wirksamkeit solcher Anlagen liegen positive Ergebnisse aus Brandenburg vor (Steidl & al. 2007).



7. Vorsicht in floristisch hochwertigen Gebieten

Arten, deren ökologisches Optimum im sehr nassen Bereich liegt, können sich bei entsprechender Pflege auch auf trockeneren Standorten behaupten. Eine schlagartige Vernässung kann an trockenere Verhältnisse adaptierte Bestände schädigen.

Bei Vorkommen von hochgradig gefährdeten Arten sind Anstaumaßnahmen sehr sorgfältig zu planen. Gegebenenfalls sind sukzessive Anstaumaßnahmen im Lauf mehrerer Jahre vorzusehen.


8. Haftungsfragen vorab klären

Vor allem bei siedlungsnahen Großbauwerken empfiehlt sich eine Haftpflichtversicherung.


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30.12.2007

© ALW 2004 Angewandte Landschaftsökologie, Dr. Alfred und Ingrid Wagner, Unterammergau