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Maßnahmen: Detailplanung

am Beispiel Langweiher Moor (Wagner & Wagner 2002)

Sofern die Bauleitung nicht durch moorkundiges Fachpersonal erfolgt, müssen Detailpläne erarbeitet werden. Hierbei sind Relief, Torfmächtigkeit und Wasserandrang sowie Trophie des Wassers anzustauender Gräben zu berücksichtigen.

Anstaumaßnahmen

Einfacher Stau: Kleinere Gräben mit geringem Wasserandrang können durch Torfwälle ohne zusätzliche Holzkonstruktion gestaut werden. Das Torfmaterial sollte aus dem oberstromigen Bereich des Grabenprofils entnommen werden.
Dabei darf die wasserstauende, unter dem Torfkörper lagernde Tonschicht nicht aufgerissen werden.

Aus Gründen möglicher vertikaler Versickerungsverluste sollte auch eine Torfüberdeckung verbleiben. Der Torfdamm darf nicht überströmt werden, Überschusswasser ist seitlich über den gewachsenen, erosionsstabileren Torf abzuleiten.

Die in der Maßnahmenkarte dargestellten Staue verstehen sich als Voreinschätzung. Günstigster Termin für die Auspflockung der Staue sind Zeiten mit hoher Wasserführung der Gräben außerhalb der Vegetationszeit. Abflusssituation und Höhenverhältnisse sind dann besser einzuschätzen. Nach eigener Einschätzung lassen die Geländeverhältnisse die Ausführung der Staue mit Kleinbagger zu.

Stau mit statischer Holzsicherung: Bei Gräben mit größerem Wasserandrang und damit größerer Rückstauhöhe ist eine statische Sicherung mit senkrecht stehenden Rammpfählen (Pilote) und Querstämmen vorzunehmen. Dabei werden die Querlieger in den anstehenden Torf eingebunden und mit senkrecht in den Torf eingerammten, angespitzten Piloten fixiert. Aus Kostengründen kommen in der Regel verwitterungsbeständige Rundhölzer zum Einsatz (keine Weichhölzer). Nach Fertigstellung der Holzkonstruktion wird die Torfummantelung eingebaut und der Überlauf erstellt. Das einzubauende Stammholz kann direkt vor Ort entnommen werden (Fichte oder Waldkiefer, wegen der geringen Haltbarkeit keine Birke). Auch hier sollte der einzubauende Torf soweit möglich aus dem oberstromigen Grabenprofil entnommen und ein Umlauf eingeplant werden

Die Dauerhaftigkeit dieser Dammkonstruktion wird unterschiedlich bewertet. So wird die Maßnahme in der von der BUWAL herausgegebenen Praxishilfe (LUGON & AL. 1998) auch bei Verwendung eines Geotextils aufgrund von Dichtigkeitsproblemen, die zu einem Dammbruch führen können, als „nicht zu empfehlende Technik“ abgelehnt. Um den Damm auch langfristig gegen innere Erosion zu sichern, sollte die stabilisierende Rundholzkonstruktion demnach mit Schnittholz oder Platten, die in den gewachsenen Torf eingedrückt werden, verblendet werden.

Bei großen Stauhöhen und einer möglichen Gefährdung von Unterliegern durch einen Dammbruch wird die Überprüfung der Staukonstruktion durch ein Statikbüro empfohlen.

Dränageunterbrechung: Nach Extensivierung von Intensivgrünland sollten vorhandene Dränagen (Sammler und Sauger) auf einer Länge von ca. 1 Meter unterbrochen werden. Die Zahl der Unterbrechung hängt dabei vom Geländegefälle ab, der Maximalabstand der Dränunterbrechungen ergibt sich durch Horizontalprojektion Geländeoberkante unterstromige Unterbrechung auf den oberstromig gelegenen Dränstrang.

Renaturierung und Öffnung verrohrter Gräben, Fließgewässerrenaturierung (Konzeption): Die im Norden und Nordwesten zuströmenden, z.T. ergiebigen Zuläufe (Graben 39) werden heute über Verrohrung abgeführt. Es wäre eine Sanierung der Quellbereiche mit dem Ziel der Rekonstruktion der ursprünglichen Verhältnisse anzustreben. Diesem Ziel steht die Vermeidung von Eutrophierung gegenüber. Der hohe Leitfähigkeitswert spricht genauso wie die aktuelle Form der Landnutzung im Einzugsgebiet (Ackerbau, Intensivgrünland) für eine hohe Nährstofffracht, so dass die vollständige Ausführung der Maßnahme erst nach Extensivierung (düngelose Bewirtschaftung) im dargestellten Bereich in Erwägung gezogen werden sollte. Zudem ist eine Detailplanung erforderlich. Folgendes Vorgehen wird vorgeschlagen:

  • Ermittlung der genauen Lage der verrohrten Strecke und Rekonstruktion der ursprünglichen hydrologischen Situation im Norden und Nordwesten des NSG.
  • Zur Abschätzung der Höhe der aktuellen Nährstoffbefrachtung sollten an mindestens drei Stichtagen die Ammonium-, Nitrat-, Phosphat- und Kalium-Gehalte des Grabenwassers ermittelt werden. Zum Vergleich und zur Eichung der Parameter Leitfähigkeit und Graben-/Grabenrandvegetation sollten solche Messungen auch an ausgewählten Stellen im NSG (unbelastete und wahrscheinlich belastete Bereiche) erfolgen. Mit der Umstellung auf düngelose Bewirtschaftung sollten diese Messungen dann wiederholt werden.
  • Extensivierung der Flächen im unmittelbaren Wassereinzugsgebiet.
  • Detailplanung zur Anlage des neuen Gewässerbetts bzw. -Laufs sowie zur Unterbrechung der Verrohrung.

Sonstige Einzelmaßnahmen

Maßnahme 1: Im Bereich des nördlichen Damms besteht ein bei hohen Wasserständen überströmter Durchlass. Dieser sollte gestaut werden.

Maßnahme 2: Hier besteht - ebenfalls im Bereich des Damms – möglicherweise eine noch funktionstüchtige Verrohrung. Die Situation konnte im Gelände nicht abschließend geklärt werden. Im Rahmen der Umsetzung des hydrologischen Sanierungskonzepts wäre dies durch Aufgraben zu überprüfen. Falls noch funktionstüchtig, sollte an dieser Stelle gestaut werden.

Maßnahme 3 und 4: Anlage von ca. 100 m² großen Sedimentationsbecken (s.o.) zum Rückhalt von Nährstoffen und zur Förderung von Arten flachlimnischer Biotope. Der Grabenabschnitt zwischen Weiher und geplantem Sedimentationsbecken sollte als oberflächennahes, leicht geschwungenes Flachgerinne gestaltet werden (Graben 7, in der Karte Einzelmaßnahme 4).

Maßnahme 5: Unterbrechung der Holzdränage an der Einmündung in Graben 4

Maßnahme 6: Im südlichen Damm besteht an dieser Stelle ein ca. 2 x 3 m großer Durchlass. Der Verschluss wird im nördlich gelegenen Bereich möglicherweise zu einer mehrere 100 m² großen Wasserfläche mit flacher Überstauung führen (Rückstau von Graben 2 und 12). Zur Förderung des Artenspektrums flachlimnischer und telmatischer Lebensräume ist dies erwünscht. Im Auswirkungsbereich der Maßnahme dürfte der Baumbestand absterben.
Da die Maßnahme zu einer dauerhaften Anhebung des Wasserstands führt, könnten auch Teile des tiefer und unterstromig gelegenen Flurstücks 100/2 betroffen sein. Das Einverständnis des Eigentümers ist deshalb einzuholen. Das gleiche gilt für die Maßnahme 7.

Maßnahme 7: Auch hier besteht ein kleinerer Durchlass im Bereich des Damms, der geschlossen werden sollte.

Maßnahme 8: Am Grabenanfang von Graben 23 entspringt eine Quelle. Hier sollte der ehemals wahrscheinlich flächig-diffuse Quellabfluss rekonstruiert werden.

Maßnahme 9: Der an der Ostgrenze des NSG angrenzende Teich (Flst. 101) sollte nicht mehr oder jedenfalls nicht intensiv bewirtschaftet werden (vgl. PEPL S. 91). Die Herkunft und Qualität des Zulaufwassers ist noch zu klären.

Maßnahme 10: Der über die Hauptvorfluter 33 und 37 geführte Gebietswasserabfluss wird an dieser Stelle in einen Schacht eingeleitet. Die dann folgende Verrohrung sollte geöffnet werden (Gewässerentwicklungsplan, s.o.).

Download Umsetzungskonzept Langweiher Moor

Wagner, A. & Wagner, I. [Hrsg. BayLfU]; (2002): Umsetzungskonzept der Moorrenaturieurng - Naturschutzgebiet Langweiher Moor.


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28.01.2006

© ALW 2004 Angewandte Landschaftsökologie, Dr. Alfred und Ingrid Wagner, Unterammergau